Querschnitt durch die Hirnhälfte einer Larve der Taufliege Drosophila melanogaster (5 Tage alt, 3. Larven Stadium)

Jeden Sommer wieder tauchen wie aus dem Nichts ganze Bataillone von kleinen Fruchtfliegen auf, um sich an herumliegendem Obst und dem Mülleimerinhalt schadlos zu halten. Kaum jemandem wird bewusst sein, dass sein Kampf gegen die winzigen Plagegeister zugleich den beliebtesten und ältesten Modellorganismus der Biologen zum Ziel hat.

Das Bild zeigt den Querschnitt durch die Hirnhälfte einer Taufliegenlarve. Rot gefärbt sind die Vorläuferzellen der zukünftigen Sehzentren der erwachsenen Fliege. Dafür wurde ein Antikörper benutzt, der das Protein E-Cadherin erkennen und sichtbar machen kann. Dieses Protein wirkt wie ein Klettverschluss zwischen benachbarten Zellen und hält diese zusammen, wodurch ein sogenanntes Epithel entsteht. An dessen Rändern sondern sich runde blaue Zellen ab, die neuronalen Stammzellen. Sie stellen das hier blau gefärbte Protein Deadpan her und können sich asymmetrisch teilen. Dabei produzieren sie Neurone, die in grün dargestellt sind. In der erwachsenen Taufliege sind diese Nervenzellen verantwortlich für die Verarbeitung der Seheindrücke der Komplexaugen.

Der eben beschriebene Prozess ist ähnlich dem der Nervenzellentstehung in Wirbeltieren. Stammzellen haben die Fähigkeit, sich sehr oft zu teilen um einen bestimmten Zelltyp zu erzeugen. Es ist sehr wichtig, dieses große Potential zur Teilung gut zu kontrollieren. Geht bei der Kontrolle etwas schief, können die Teilungen nicht mehr im Zaum gehalten werden und es entstehen Tumore. Die Untersuchung solcher Tumore in der Taufliege kann dabei helfen, menschliche Krankheiten zu verstehen und mögliche Therapien zu entwickeln.